
Anno 1783: Eine Adelsfamilie reist in die Sommerfrische auf ihr Jagdschlösschen in dem fränkischen Dörflein Schaffenrath. Dort sorgen akute Finanzprobleme und anstehende Hochzeitspläne für Turbulenzen und Aufregung.
Die 7. Sommerproduktion des Freilandtheaters ist ein Spiel mit Perspektiven: zwei Tribünen, von denen man je nach Sitzplatz die Geschichte aus der einen oder der anderen Sicht betrachten kann - wobei beide Seiten gleichermaßen opulent, spannend und unterhaltsam sind.
Theodor, Edler von Mornag und Zwiesel, sieht der Ankunft seiner Schwester und seines Schwagers samt Töchterlein mit Unruhe entgegen, denn er hat mehr Geld für seine wissenschaftlichen Experimente und Erfindungen ausgegeben als er besaß. Genauer gesagt hat er es mit einem kleinen Trick geschafft, das Schlösschen und die Ländereien samt den dort lebenden Bauern zu verpfänden und das Geld auszugeben. Nun ist es Sommer, und die Familie kommt auf das Schlösschen, in dem Theodor das Jahr über in Ruhe forschen und basteln konnte. Was soll er seinen Verwandten erzählen? Zumal das Schlösschen streng genommen seinem Schwager gehört. Seine letzte Rettung ist, eine seiner Erfindungen gewinnbringend zu verkaufen. Aber die Zeit rennt ihm davon...
Die Zofe Antoinette hat alle Hände voll zu tun, denn die Familie von Seyl-Schaffenrath ist eine sehr anspruchsvolle Gesellschaft: Die Gräfin ist überaus penibel, der Graf ein Geizkragen und die junge Comtess Matilda hat ihre Launen und Einfälle, die ihre Umgebung ziemlich auf Trab halten. Kaum hat man sich für die Sommermonate auf dem kleinen Sommersitz der Familie eingerichtet, den Teetisch gedeckt und das Gepäck verstaut, dräuen auch schon dunkle Wolken am Horizont, denn ein Schuldeintreiber klopft an die Tür, und der edle Herr Theodor braucht Antoinettes klugen Kopf. Wie soll die da noch die Zeit finden, ihren zögerlichen Galan, den Brauerssohn Georg, dazu zu bringen, sie eindlich zu heiraten?
Baron Alexander von Aisch lebt mit seiner Mutter auf dem Schloss derer von Aisch - adelig, aber arm wie eine Kirchenmaus, dafür mit einem hohen Standes- und Selbstbewusstsein sowie einem starkem Drang zum weiblichen Geschlecht. Eine Hochzeit mit Matilda, der hübschen, wenngleich ein wenig überdrehten Tochter des Grafen Friedrich von Seyl-Schaffenrath würde einige Probleme lösen. Wenn nur nicht bürgerliche Parvenus mit unangenehm viel Geld ebenfalls auf eine Hochzeit mit der süßen Matilda spekulieren würden. Kannn sich Alexander ihrer erwehren?
Den Bauern, die das muntere Treiben der Edlen, Reichen und Bankrotten bezahlen müssen, wird das ganze Treiben allmählich zu bunt, und so wirft schließlich sogar die Französische Revolution ihre langen Schatten voraus...
"Es zählt nur eins, nicht Teufel und nicht Gott. Es zählt nur eins: Bist du liquid oder bankrott?"
Das Stück schreibt Christian Laubert, inszeniert wird es auf zwei Seiten gleichzeitig (Regie Saskia Leder/Christian Laubert), die Musik und die Liedtexte stammen aus der Feder Verena Guidos.
"Sommerfrische" ist ein faszinierender Theaterabend mit zwei Tribünen, die auf den gegenüberliegenden Seiten des Jagschlösschens stehen. Von jeder Tribüne sieht man jeweils eine Seite des Schlösschens und verfolgt das atemlose Geschehen um Adel, Bier und Leidenschaft, während die Zuschauer auf der gegenüberliegenden Seite dem zusehen, was zeitgleich auf der anderen Schlossseite geschieht. Am Ende haben die Zuschauer beider Tribünen die gleiche Geschichte gesehen - aber aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Ein besonderer Kniff: in der Pause werden die Plätze mit der gegenüberliegenden Tribüne getauscht. So gewinnt man im zweiten Teil des Stückes eine neue Perspektive auf die Geschichte um Theodor, Antoinette, den Baron von Aisch und all die anderen, die in den Strudel der Ereignisse der "Sommerfrische" geraten.